Stoppt die Krise!
von Jost Trier
hier eingestellt im Februar 2009
Fassung vom 4.12.2009
hier eingestellt im Februar 2009
Fassung vom 4.12.2009
Dieser Aufsatz geht davon aus, dass mit schön reden und mit immer neuen Staatsschulden nichts mehr zu gewinnen ist. Wir vertuen die letzten Chancen, halbwegs heil aus der Krise zu kommen, wenn wir weiter ignorieren, dass unser bisher so erfolgreiches marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem durch falsche Geldschöpfungsmethoden instabil ist. Im Widerspruch zur vorherrschenden Meinung gibt es doch eine "Patentlösung", die Wirtschaft mit rein organisatorischen Maßnahmen und ohne Inflation wiederzubeleben.
Warum geht nichts mehr?
Wir leben in einer großartigen Zeit weltweiter wirtschaftlicher Zusammenarbeit, die nicht nur uns, sondern auch den fernsten Entwicklungsländern wirtschaftlichen, technischen und medizinischen Fortschritt bringt. Plötzlich, innerhalb weniger Wochen verdüstern sich die Zukunftsaussichten, die Banken der Welt entdecken auf einmal, dass ihre Guthaben, die sie in Form von Pfandbriefen und anderen Wertpapieren zu haben glaubten, gar nicht realisierbar, also eigentlich wertlos sind. Was ist denn passiert, dass auf einmal nichts mehr geht? Alle realen Ressourcen sind unverändert, Wasser und Öl fließen nach wie vor, es gibt keinen natürlichen Anlass für einen solchen Absturz der Weltwirtschaft. Was also ist der Grund, dass eine, wie es scheint sehr hoch entwickelte und lebenskräftige Zivilisation plötzlich in sich zusammenbricht?
Diese Frage kommt uns bekannt vor. Ja, wir haben sie schon mal beim Anblick überwucherter Tempelanlagen in Südamerika gestellt. Für das jähe Ende einer hohen Kultur blieb nach Ausschließen aller nahe liegenden Erklärungen wie Krieg und Naturkatastrophen schließlich nur die, dass die Priesterschaft (vermutlich nach Konsultation der Sterne) zum Verlassen des Landes aufrief und das Volk gläubig folgte.
Nein, eine Priesterkaste in diesem Sinne gibt es bei uns nicht. Aber eine ähnlich von der öffentlichen Kritik ausgesparte Institution, die sich auch ähnlich vorsichtig und sibyllinisch äußert, die gibt es. Es sind die Notenbanken der Welt. Die Regierungen der Welt haben die Versorgung ihrer Staaten mit Geld den jeweiligen Notenbanken übertragen. Nachdem man sich von der reinen Goldwährung immer weiter entfernt hatte, bestand die größte Gefahr für die Währung in der Geldentwertung. Dementsprechend erhielten die Notenbanken das Mandat, den Geldwert stabil zu halten. Sie erhielten leider nicht das Mandat, die Realwirtschaft optimal mit Geld zu versorgen. Aus ihrem alleinigen Recht, Geld in Form von Scheinen und Münzen, oder auch als Kopfgeld wie 1948 zu schöpfen, also nicht nur zu verleihen, erwächst ihnen aber de facto die Pflicht zur Geldversorgung. Diese Pflicht wird von den Notenbanken auch weitgehend anerkannt, schließlich verliert eine angeblich stabile Währung in einer zusammengebrochenen Realwirtschaft ihren Sinn. Das Argument, man müsste den Geldwert stabil halten, ist also am Beginn eines realwirtschaftlichen Absturzes völlig fehl am Platze. Wenn die Wirtschaft durch zu wenig Geld gebremst oder gar abgewürgt wird, ist das in jedem Falle ein Versagen der Notenbanken. Die Geldversorgung muss so gestaltet sein, dass sie das realwirtschaftliche Geschehen möglichst stabil hält, gleich ob die Stimmung in der Wirtschaft euphorisch oder depressiv ist. Das System der Geldschöpfung muss also antizyklisch wirken, d.h. es muss den realwirtschaftlichen Folgen, die aus schlechten Zukunftsaussichten entstehen, entgegenwirken und diese schlechten Aussichten keinesfalls verstärken. Das Entsprechende gilt, wenn die wirtschaftliche Euphorie das realwirtschaftliche Potential des Währungsgebietes zu überfordern droht.
Im folgenden wird gezeigt, dass das jetzige System der Geldschöpfung prozyklisch wirkt, also eine einmal eingetretene Depression noch verstärkt und so die Realwirtschaft in eine Abwärtsspirale zieht. Was der Anlass ist, durch den die Abwärtsspirale in gang gesetzt wurde, ist heute zweitrangig, entscheidend ist nur die Erkenntnis, dass das heutige System nicht stabil ist.
Wie schöpfen die Notenbanken das Geld?
Die Notenbanken haben schon längst die Golddeckung des Geldes aufgegeben, und das mit vollem Recht, denn mit Golddeckung wäre die segensreiche realwirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte undenkbar gewesen. Die Goldmenge lässt sich nun mal nicht so schnell vermehren wie der realwirtschaftliche Wohlstand. Um dennoch das allgemeine Preisniveau einigermaßen stabil zu halten, wird Geld von den Notenbanken nicht verschenkt, sondern immer nur verliehen. Das heißt, zu jedem Euro (oder einer anderen Währungseinheit) gehört ein Loch (die Schuld). Die Erzeugung von Geld im heutigen System ist immer eine "Paarerzeugung" (ein Begriff aus der Physik) von Geld und Loch (der Schuld). Im bargeldlosen Verkehr liegt das Loch bei der Geschäftsbank, sie versorgt durch Kreditgewährung aus dem Nichts heraus die Wirtschaft mit Guthaben. Sie tut das im Glauben an die vernünftige Verwendung des Geldes und letztlich gute Zinseinnahmen. Dieses, von den Geschäftsbanken geschöpfte Geld, stellt den größten Teil heutigen Geldes dar. Im Bargeldverkehr liegt das Loch bei der Zentralbank, die allerdings nur indirekt, nämlich über die Geschäftsbanken, mit der Wirtschaft verbunden ist. Jahrzehnte lang hat dieses System erfolgreich funktioniert, obwohl der Normalbürger gar nicht weiß, dass sein Geld nur geliehen ist.
Was geschieht zur Zeit?
Jetzt versagt aber dieses System plötzlich, denn seit etwa September 2008 herrscht Misstrauen. Misstrauen der Banken untereinander und letztlich der Geldanleger. Diese fragen sich: Steht hinter dem Wertpapier, für das ich mein gutes Geld ("mein" im Sinne von verfügungsberechtigt) geben soll, wirklich ein Realwert oder ein reales wirtschaftliches Potential, wodurch Rückzahlung und Zinsen sichergestellt sind? Oder ist das Papier nach vielen Händen und Umverpackungen nur durch Forderungen gegen arme Leute gedeckt, oder läuft diese Forderungskette in einem nicht endenden und sinnlosen Kreislauf, oder gar in einem Schneeballsystem? Die Banken brauchen heute Monate, um diesen Fragen nachzugehen, wie hoffnungslos steht dem der kleine Geldanleger gegenüber! Im Zweifelsfalle lässt er sein Guthaben lieber auf der Bank oder lässt es, wenn er auch seiner Bank misstraut, lieber in Banknoten auszahlen und legt es unter die Matratze.
Ersteres bedeutet, dass das Geld, das z.B. in Banknoten bei der Bank eingezahlt wurde, wieder in dem zugehörigen Loch verschwunden ist (Paarvernichtung), letzteres bedeutet ebenfalls Entzug des Geldes aus der Wirtschaft, zusätzlich zur Belastung der Geschäftsbank, die ja nach wie vor das Geld an die Notenbank samt Zinsen zurückzahlen muss. In beiden Fällen ist das Verschwinden des Geldes für die Realwirtschaft katastrophal, denn diese kann nur in dem Maße produzieren oder Dienste leisten, wie Geld auf Seiten ihrer Kunden zur Verfügung steht und ausgegeben wird. Die einzige Alternative ist die Tauschwirtschaft, die nur ein minimales Lebensniveau zulässt. Es kommt aber noch schlimmer: Wenn erst die Realwirtschaft einbricht auf Grund fehlenden Geldes, bricht sie nicht nur proportional zur Geldmenge ein, sondern viel stärker, weil die Firmen eingehen, wenn sie dauerhaft nur teilweise arbeiten können. Auch die über die Schienen Politik, Soziales, Versicherungen laufenden Wirkungsketten, die durch fehlendes Geld in Gang gesetzt werden, verstärken den Flächenbrand. Damit verliert auch das verbleibende Geld an Wert, denn der Wert heutigen Geldes besteht nicht in den Goldvorräten der Notenbanken, sondern darin, dass man dafür etwas begehrenswertes kaufen kann, das nun, da die Produktionskapazitäten wegen Geldmangel ausfallen, nicht mehr auf den Markt kommt. Die Geschäftsbanken sehen die kommende Katastrophe und versuchen, ihre Schulden abzubauen, ihre verliehenen Gelder einzutreiben und neue Kredite, wenn überhaupt, dann nur mit hohen Zinsen zu vergeben.
Es gibt also unpaariges (kreditfreies) Geld in der Welt, und um so mehr, je mehr Firmen eingehen, je tiefer die Realwirtschaft und damit unser Lebensstandard rutscht. Immerhin bewahrt uns das verbleibende unpaarige Geld vor der reinen Tauschwirtschaft, aber auf sehr niedrigem Wirtschaftsniveau mit unabsehbaren politischen Folgen. In jedem Falle bleibt bei weiterer Paarvernichtung des Geldes für unsere Luxusambitionen kein Geld mehr, auch nicht für Umwelt und Förderung der Dritten Welt, mit tödlichen Folgen für einen großen Teil der Weltbevölkerung.
Was ist jetzt zu tun?
Heute bestehen noch fast alle Produktionspotentiale, immer noch ist viel Geld zum Ausgeben in der Welt, aber die Banken sehen die Zukunft nur noch als großes schwarzes Loch und fürchten bei jeder Geldverleihung den Totalverlust, entsprechend hohe Zinsen fordern sie, ganz gleich, wie niedrig die Notenbanken ihre Zinsen setzen. Was müsste in dieser Lage geschehen?
Die Geschäftsbanken mit Geld zu füttern bringt nichts, so lange diese nur schwarz in die Zukunft sehen, denn diese fürchten, in bankerott gehende Firmen zu investieren und auf ihren Schulden sitzen zu bleiben. Geld muss man wie 1948 in der Währungsreform ganz unten in die Wirtschaft einspeisen, nämlich dem Verbraucher geben, nur der freut sich darüber. Dieses Geld darf aber nicht vom Steuerzahler kommen, der kann für das Versagen der Notenbanken nicht aufkommen, er kann nämlich die Geldmenge nur paarig, also durch gleichzeitiges Schulden machen vermehren, die unpaarige (kreditfreie) Geldschöpfung ist aber genau das, was notwendig zum Erhalt der Realwirtschaft ist.
Ist das Inflation?
Bedeutet die Schöpfung so vielen unpaarigen (kreditfreien) Geldes nicht Inflation? Unter Inflation versteht man Teuerung, die durch zu starke Nachfrage auf ein begrenztes Angebot entsteht. Zur Zeit stehen wir vor der gegenteiligen Situation, das Angebot ist riesig und das wirtschaftliche Potential dahinter noch viel größer, aber das Angebot findet mangels Geld beim potentiellen Käufer keine Nachfrage. Wenn es durch die vorgeschlagene Zahlung von Kopfgeld zur Konjunkturerholung kommt, dann wird eine erheblich größere Menge unpaarigen Geldes in der Welt sein als heute. Dieses Geld kehrt im heutigen System der Geldschöpfung nicht wieder zu den Notenbanken zurück, ist also der Steuerung durch die Notenbanken entzogen. Die Geldmenge braucht deshalb aber nicht größer zu sein, denn die paarige Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken soll ja durch strengere Gesetze beschnitten werden. Immerhin hätten die Notenbanken am Ende an Einfluss auf die Geldmenge verloren, und das würde sich destabilisierend auswirken, denn sie sind die einzigen, die überhaupt in der Lage sind, die Gesamtwirtschaft, die immer in der einen oder anderen Richtung aus dem Ruder zu laufen droht, auf Kurs zu halten.
Heute schöpfen die Notenbanken überschüssiges Geld nicht dadurch ab, dass sie sich weigern, die Geschäftsbanken mit Bargeld zu versorgen, sondern dadurch, dass sie für neues Bargeld, das die Geschäftsbanken ziehen wollen, höhere Zinsen verlangen. Der Einfluss dieser Zinspolitik auf die Geldwirtschaft ist gering. Wir spüren das heute deutlich, wo doch die gut gemeinte Niedrigzinspolitik der Notenbanken den hohen Zins der Geschäftsbanken und damit die Ausbremsung der Realwirtschaft gar nicht verhindern kann. So hätten auch bei überschäumender Konjunktur die Notenbanken kaum Aussicht, durch Zinserhöhung die Geldmenge einzuschränken. Dass der Einfluss so gering ist, mag an dem in den letzten Jahren stark gestiegenen bargeldlosen Zahlungsverkehr liegen und daran, dass die Zahlungen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit erfolgen. Mehr unpaariges Geld verschärft jedenfalls diese Situation. Damit stellt sich jetzt die Frage nach der Stabilisierung der Realwirtschaft so:
Wie kann man den Notenbanken mehr Zugriff auf die Geldmenge verschaffen?
Die Notenbanken müssen in die Lage versetzt werden, die Realwirtschaft optimal durch die äußeren und inneren Gefahren zu steuern. Dabei sind als äußere Gefahr z.B. Rohstoffverknappung, Kriege, Klima und Umwelt gemeint, als innere die menschlichen Psychosen, die weder bei den Banken, noch in der Politik oder bei den Tarifautonomen zu verhindern sind.
Dazu müssen wir uns im klaren sein, dass die Notenbanken zwar nicht unmittelbarer staatlicher Kontrolle unterliegen, dass sie aber Geschöpfe der Staaten sind. Selbst diejenigen Notenbanken, die scheinbar nur durch Legitimierung durch die Geschäftsbanken entstanden sind, haben ihre Rechtsstellung nur der Duldung durch den Staat zu verdanken, und könnten von diesem auf dem Wege der Gesetzgebung aufgelöst, ersetzt oder modifiziert werden. Die Staaten verfügen im langfristigen Mittel über weit mehr Geld als heute durch die Hände der Notenbanken fließt. Es bietet sich so das folgende Verfahren an:
Natürlich bedeutet der Wunsch, Inflation zu vermeiden, dass im Mittel über Jahrzehnte der Geldzufluss und -abfluss bei den Notenbanken übereinstimmen müsste. Im Gegensatz zu heute würde die Geldwirtschaft die Realwirtschaft aber nicht bremsen oder gar - wie es heute geschieht - abwürgen, sondern sie könnte die sich weiter entwickelnde Realwirtschaft neutral begleiten. Die Notenbank kann in Absprache mit den Staaten je nach gesamtwirtschaftlichem Bedarf die Steuern ändern oder die Gehälter an die Staaten, beides in normalen Zeiten natürlich nur sehr moderat. Im übrigen wird man das alte Instrument der Leitzinsänderung (zunächst) einfach beibehalten. Die schleichende Inflation der letzten Jahre (ca 2%) kann die Notenbank allerdings, auch wenn sie Herr über den Strom der Steuergelder ist, nicht vermeiden. Um das zu können, müsste sie den Tarifautonomen Grenzen setzen dürfen, aber das ist z.Zt. kein drängendes Problem.
Man muss für dieses Programm nicht unbedingt auf eine internationale Einigung hoffen, obwohl diese sehr erwünscht wäre. Der Erfolg für die innere Konjunktur in einem Währungsgebiet hätte sofort die Nachahmung in den anderen Währungsgebieten zur Folge, und damit käme auch der internationale Handel wieder in gang.
Der Augenblick für eine solche Umorganisation ist denkbar günstig. Von den Finanzministern wäre die ungewisse Zukunft genommen, sie könnten für 2009 und 2010 mit den gleichen Einnahmen wie z.B. denen von 2007 oder 2008 rechnen. Die Notenbanken würden sich über einen erheblichen Kompetenz- und Bedeutungszuwachs freuen. Ihr heute eher bescheidenes Mandat, den Geldwert stabil zu halten, wäre ersetzt durch das, die Geldschöpfung optimal an die realwirtschaftliche Entwicklung anzupassen. Auch das Problem der staatlichen Verschuldungen könnte endlich angegriffen werden. Die Notenbanken könnten staatliche Schuldverschreibungen in Zeiten hoher Steuereinnahmen langsam, um die Kurse tief zu halten, aufkaufen und vernichten, denn realwirtschaftlich gesehen unsinnige Verschuldung (auch in der Wirtschaft und im privaten Bereich) bremst die Wirtschaft und spreizt die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft. Die Notenbanken geraten mit dieser Aufgabe möglicherweise in Interessenkonflikt mit den Geschäftsbanken, was sie aber aushalten müssen, wie sie überhaupt ihre Stellung nicht mehr nur als erste Bank unter anderen sehen dürfen.
Warum geht nichts mehr?
Wir leben in einer großartigen Zeit weltweiter wirtschaftlicher Zusammenarbeit, die nicht nur uns, sondern auch den fernsten Entwicklungsländern wirtschaftlichen, technischen und medizinischen Fortschritt bringt. Plötzlich, innerhalb weniger Wochen verdüstern sich die Zukunftsaussichten, die Banken der Welt entdecken auf einmal, dass ihre Guthaben, die sie in Form von Pfandbriefen und anderen Wertpapieren zu haben glaubten, gar nicht realisierbar, also eigentlich wertlos sind. Was ist denn passiert, dass auf einmal nichts mehr geht? Alle realen Ressourcen sind unverändert, Wasser und Öl fließen nach wie vor, es gibt keinen natürlichen Anlass für einen solchen Absturz der Weltwirtschaft. Was also ist der Grund, dass eine, wie es scheint sehr hoch entwickelte und lebenskräftige Zivilisation plötzlich in sich zusammenbricht?
Diese Frage kommt uns bekannt vor. Ja, wir haben sie schon mal beim Anblick überwucherter Tempelanlagen in Südamerika gestellt. Für das jähe Ende einer hohen Kultur blieb nach Ausschließen aller nahe liegenden Erklärungen wie Krieg und Naturkatastrophen schließlich nur die, dass die Priesterschaft (vermutlich nach Konsultation der Sterne) zum Verlassen des Landes aufrief und das Volk gläubig folgte.
Nein, eine Priesterkaste in diesem Sinne gibt es bei uns nicht. Aber eine ähnlich von der öffentlichen Kritik ausgesparte Institution, die sich auch ähnlich vorsichtig und sibyllinisch äußert, die gibt es. Es sind die Notenbanken der Welt. Die Regierungen der Welt haben die Versorgung ihrer Staaten mit Geld den jeweiligen Notenbanken übertragen. Nachdem man sich von der reinen Goldwährung immer weiter entfernt hatte, bestand die größte Gefahr für die Währung in der Geldentwertung. Dementsprechend erhielten die Notenbanken das Mandat, den Geldwert stabil zu halten. Sie erhielten leider nicht das Mandat, die Realwirtschaft optimal mit Geld zu versorgen. Aus ihrem alleinigen Recht, Geld in Form von Scheinen und Münzen, oder auch als Kopfgeld wie 1948 zu schöpfen, also nicht nur zu verleihen, erwächst ihnen aber de facto die Pflicht zur Geldversorgung. Diese Pflicht wird von den Notenbanken auch weitgehend anerkannt, schließlich verliert eine angeblich stabile Währung in einer zusammengebrochenen Realwirtschaft ihren Sinn. Das Argument, man müsste den Geldwert stabil halten, ist also am Beginn eines realwirtschaftlichen Absturzes völlig fehl am Platze. Wenn die Wirtschaft durch zu wenig Geld gebremst oder gar abgewürgt wird, ist das in jedem Falle ein Versagen der Notenbanken. Die Geldversorgung muss so gestaltet sein, dass sie das realwirtschaftliche Geschehen möglichst stabil hält, gleich ob die Stimmung in der Wirtschaft euphorisch oder depressiv ist. Das System der Geldschöpfung muss also antizyklisch wirken, d.h. es muss den realwirtschaftlichen Folgen, die aus schlechten Zukunftsaussichten entstehen, entgegenwirken und diese schlechten Aussichten keinesfalls verstärken. Das Entsprechende gilt, wenn die wirtschaftliche Euphorie das realwirtschaftliche Potential des Währungsgebietes zu überfordern droht.
Im folgenden wird gezeigt, dass das jetzige System der Geldschöpfung prozyklisch wirkt, also eine einmal eingetretene Depression noch verstärkt und so die Realwirtschaft in eine Abwärtsspirale zieht. Was der Anlass ist, durch den die Abwärtsspirale in gang gesetzt wurde, ist heute zweitrangig, entscheidend ist nur die Erkenntnis, dass das heutige System nicht stabil ist.
Wie schöpfen die Notenbanken das Geld?
Die Notenbanken haben schon längst die Golddeckung des Geldes aufgegeben, und das mit vollem Recht, denn mit Golddeckung wäre die segensreiche realwirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte undenkbar gewesen. Die Goldmenge lässt sich nun mal nicht so schnell vermehren wie der realwirtschaftliche Wohlstand. Um dennoch das allgemeine Preisniveau einigermaßen stabil zu halten, wird Geld von den Notenbanken nicht verschenkt, sondern immer nur verliehen. Das heißt, zu jedem Euro (oder einer anderen Währungseinheit) gehört ein Loch (die Schuld). Die Erzeugung von Geld im heutigen System ist immer eine "Paarerzeugung" (ein Begriff aus der Physik) von Geld und Loch (der Schuld). Im bargeldlosen Verkehr liegt das Loch bei der Geschäftsbank, sie versorgt durch Kreditgewährung aus dem Nichts heraus die Wirtschaft mit Guthaben. Sie tut das im Glauben an die vernünftige Verwendung des Geldes und letztlich gute Zinseinnahmen. Dieses, von den Geschäftsbanken geschöpfte Geld, stellt den größten Teil heutigen Geldes dar. Im Bargeldverkehr liegt das Loch bei der Zentralbank, die allerdings nur indirekt, nämlich über die Geschäftsbanken, mit der Wirtschaft verbunden ist. Jahrzehnte lang hat dieses System erfolgreich funktioniert, obwohl der Normalbürger gar nicht weiß, dass sein Geld nur geliehen ist.
Was geschieht zur Zeit?
Jetzt versagt aber dieses System plötzlich, denn seit etwa September 2008 herrscht Misstrauen. Misstrauen der Banken untereinander und letztlich der Geldanleger. Diese fragen sich: Steht hinter dem Wertpapier, für das ich mein gutes Geld ("mein" im Sinne von verfügungsberechtigt) geben soll, wirklich ein Realwert oder ein reales wirtschaftliches Potential, wodurch Rückzahlung und Zinsen sichergestellt sind? Oder ist das Papier nach vielen Händen und Umverpackungen nur durch Forderungen gegen arme Leute gedeckt, oder läuft diese Forderungskette in einem nicht endenden und sinnlosen Kreislauf, oder gar in einem Schneeballsystem? Die Banken brauchen heute Monate, um diesen Fragen nachzugehen, wie hoffnungslos steht dem der kleine Geldanleger gegenüber! Im Zweifelsfalle lässt er sein Guthaben lieber auf der Bank oder lässt es, wenn er auch seiner Bank misstraut, lieber in Banknoten auszahlen und legt es unter die Matratze.
Ersteres bedeutet, dass das Geld, das z.B. in Banknoten bei der Bank eingezahlt wurde, wieder in dem zugehörigen Loch verschwunden ist (Paarvernichtung), letzteres bedeutet ebenfalls Entzug des Geldes aus der Wirtschaft, zusätzlich zur Belastung der Geschäftsbank, die ja nach wie vor das Geld an die Notenbank samt Zinsen zurückzahlen muss. In beiden Fällen ist das Verschwinden des Geldes für die Realwirtschaft katastrophal, denn diese kann nur in dem Maße produzieren oder Dienste leisten, wie Geld auf Seiten ihrer Kunden zur Verfügung steht und ausgegeben wird. Die einzige Alternative ist die Tauschwirtschaft, die nur ein minimales Lebensniveau zulässt. Es kommt aber noch schlimmer: Wenn erst die Realwirtschaft einbricht auf Grund fehlenden Geldes, bricht sie nicht nur proportional zur Geldmenge ein, sondern viel stärker, weil die Firmen eingehen, wenn sie dauerhaft nur teilweise arbeiten können. Auch die über die Schienen Politik, Soziales, Versicherungen laufenden Wirkungsketten, die durch fehlendes Geld in Gang gesetzt werden, verstärken den Flächenbrand. Damit verliert auch das verbleibende Geld an Wert, denn der Wert heutigen Geldes besteht nicht in den Goldvorräten der Notenbanken, sondern darin, dass man dafür etwas begehrenswertes kaufen kann, das nun, da die Produktionskapazitäten wegen Geldmangel ausfallen, nicht mehr auf den Markt kommt. Die Geschäftsbanken sehen die kommende Katastrophe und versuchen, ihre Schulden abzubauen, ihre verliehenen Gelder einzutreiben und neue Kredite, wenn überhaupt, dann nur mit hohen Zinsen zu vergeben.
- Der Einbruch der Realwirtschaft auf Grund fehlenden Geldes zieht also im gegenwärtigen System der Geldschöpfung weiteres Geld aus der Wirtschaft und reißt so die Realwirtschaft noch weiter herunter. Diese Wirkungskette muss unterbrochen werden, und sie kann auch unterbrochen werden, und zwar durch ändern der Geldschöpfung, wofür die Notenbanken zuständig sind.
- Der Erhalt der Realwirtschaft muss Ziel allen Handelns der Notenbanken sein. Alle Zwischenziele haben sich diesem Ziel unterzuordnen. Auch der Erhalt des Geldwertes darf kein Selbstzweck sein, sondern findet Sinn und Grenzen nur durch die richtige Anpassung an die Entwicklung der Realwirtschaft.
Es gibt also unpaariges (kreditfreies) Geld in der Welt, und um so mehr, je mehr Firmen eingehen, je tiefer die Realwirtschaft und damit unser Lebensstandard rutscht. Immerhin bewahrt uns das verbleibende unpaarige Geld vor der reinen Tauschwirtschaft, aber auf sehr niedrigem Wirtschaftsniveau mit unabsehbaren politischen Folgen. In jedem Falle bleibt bei weiterer Paarvernichtung des Geldes für unsere Luxusambitionen kein Geld mehr, auch nicht für Umwelt und Förderung der Dritten Welt, mit tödlichen Folgen für einen großen Teil der Weltbevölkerung.
Was ist jetzt zu tun?
Heute bestehen noch fast alle Produktionspotentiale, immer noch ist viel Geld zum Ausgeben in der Welt, aber die Banken sehen die Zukunft nur noch als großes schwarzes Loch und fürchten bei jeder Geldverleihung den Totalverlust, entsprechend hohe Zinsen fordern sie, ganz gleich, wie niedrig die Notenbanken ihre Zinsen setzen. Was müsste in dieser Lage geschehen?
Die Geschäftsbanken mit Geld zu füttern bringt nichts, so lange diese nur schwarz in die Zukunft sehen, denn diese fürchten, in bankerott gehende Firmen zu investieren und auf ihren Schulden sitzen zu bleiben. Geld muss man wie 1948 in der Währungsreform ganz unten in die Wirtschaft einspeisen, nämlich dem Verbraucher geben, nur der freut sich darüber. Dieses Geld darf aber nicht vom Steuerzahler kommen, der kann für das Versagen der Notenbanken nicht aufkommen, er kann nämlich die Geldmenge nur paarig, also durch gleichzeitiges Schulden machen vermehren, die unpaarige (kreditfreie) Geldschöpfung ist aber genau das, was notwendig zum Erhalt der Realwirtschaft ist.
- Mit Steuergeldern die Gesamtwirtschaft ankurbeln zu wollen, hat nur dann einen Sinn, wenn man darauf hoffen kann, dass die Notenbanken die staatliche Verschuldung bald mit unpaarigem Geld begleichen.
- Die Welt braucht jetzt unbedingt unpaariges (kreditfreies) Geld, und die Notenbanken müssen dies bereitstellen.
- Auch die Überschuldung der Öffentlichen Hände ist u.a. ein Ergebnis der nur paarigen Geldschöpfung.
Ist das Inflation?
Bedeutet die Schöpfung so vielen unpaarigen (kreditfreien) Geldes nicht Inflation? Unter Inflation versteht man Teuerung, die durch zu starke Nachfrage auf ein begrenztes Angebot entsteht. Zur Zeit stehen wir vor der gegenteiligen Situation, das Angebot ist riesig und das wirtschaftliche Potential dahinter noch viel größer, aber das Angebot findet mangels Geld beim potentiellen Käufer keine Nachfrage. Wenn es durch die vorgeschlagene Zahlung von Kopfgeld zur Konjunkturerholung kommt, dann wird eine erheblich größere Menge unpaarigen Geldes in der Welt sein als heute. Dieses Geld kehrt im heutigen System der Geldschöpfung nicht wieder zu den Notenbanken zurück, ist also der Steuerung durch die Notenbanken entzogen. Die Geldmenge braucht deshalb aber nicht größer zu sein, denn die paarige Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken soll ja durch strengere Gesetze beschnitten werden. Immerhin hätten die Notenbanken am Ende an Einfluss auf die Geldmenge verloren, und das würde sich destabilisierend auswirken, denn sie sind die einzigen, die überhaupt in der Lage sind, die Gesamtwirtschaft, die immer in der einen oder anderen Richtung aus dem Ruder zu laufen droht, auf Kurs zu halten.
Heute schöpfen die Notenbanken überschüssiges Geld nicht dadurch ab, dass sie sich weigern, die Geschäftsbanken mit Bargeld zu versorgen, sondern dadurch, dass sie für neues Bargeld, das die Geschäftsbanken ziehen wollen, höhere Zinsen verlangen. Der Einfluss dieser Zinspolitik auf die Geldwirtschaft ist gering. Wir spüren das heute deutlich, wo doch die gut gemeinte Niedrigzinspolitik der Notenbanken den hohen Zins der Geschäftsbanken und damit die Ausbremsung der Realwirtschaft gar nicht verhindern kann. So hätten auch bei überschäumender Konjunktur die Notenbanken kaum Aussicht, durch Zinserhöhung die Geldmenge einzuschränken. Dass der Einfluss so gering ist, mag an dem in den letzten Jahren stark gestiegenen bargeldlosen Zahlungsverkehr liegen und daran, dass die Zahlungen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit erfolgen. Mehr unpaariges Geld verschärft jedenfalls diese Situation. Damit stellt sich jetzt die Frage nach der Stabilisierung der Realwirtschaft so:
Wie kann man den Notenbanken mehr Zugriff auf die Geldmenge verschaffen?
Die Notenbanken müssen in die Lage versetzt werden, die Realwirtschaft optimal durch die äußeren und inneren Gefahren zu steuern. Dabei sind als äußere Gefahr z.B. Rohstoffverknappung, Kriege, Klima und Umwelt gemeint, als innere die menschlichen Psychosen, die weder bei den Banken, noch in der Politik oder bei den Tarifautonomen zu verhindern sind.
Dazu müssen wir uns im klaren sein, dass die Notenbanken zwar nicht unmittelbarer staatlicher Kontrolle unterliegen, dass sie aber Geschöpfe der Staaten sind. Selbst diejenigen Notenbanken, die scheinbar nur durch Legitimierung durch die Geschäftsbanken entstanden sind, haben ihre Rechtsstellung nur der Duldung durch den Staat zu verdanken, und könnten von diesem auf dem Wege der Gesetzgebung aufgelöst, ersetzt oder modifiziert werden. Die Staaten verfügen im langfristigen Mittel über weit mehr Geld als heute durch die Hände der Notenbanken fließt. Es bietet sich so das folgende Verfahren an:
- Alle Steuereinnahmen gehen nicht an den Staat, sondern an die Notenbank. Diese zahlt jedem Staat des Währungsgebietes ein festes Gehalt, dessen Höhe mit den Einnahmen nichts zu tun hat. Sie kann das, denn sie alleine darf Geld schöpfen und vernichten.
Natürlich bedeutet der Wunsch, Inflation zu vermeiden, dass im Mittel über Jahrzehnte der Geldzufluss und -abfluss bei den Notenbanken übereinstimmen müsste. Im Gegensatz zu heute würde die Geldwirtschaft die Realwirtschaft aber nicht bremsen oder gar - wie es heute geschieht - abwürgen, sondern sie könnte die sich weiter entwickelnde Realwirtschaft neutral begleiten. Die Notenbank kann in Absprache mit den Staaten je nach gesamtwirtschaftlichem Bedarf die Steuern ändern oder die Gehälter an die Staaten, beides in normalen Zeiten natürlich nur sehr moderat. Im übrigen wird man das alte Instrument der Leitzinsänderung (zunächst) einfach beibehalten. Die schleichende Inflation der letzten Jahre (ca 2%) kann die Notenbank allerdings, auch wenn sie Herr über den Strom der Steuergelder ist, nicht vermeiden. Um das zu können, müsste sie den Tarifautonomen Grenzen setzen dürfen, aber das ist z.Zt. kein drängendes Problem.
Man muss für dieses Programm nicht unbedingt auf eine internationale Einigung hoffen, obwohl diese sehr erwünscht wäre. Der Erfolg für die innere Konjunktur in einem Währungsgebiet hätte sofort die Nachahmung in den anderen Währungsgebieten zur Folge, und damit käme auch der internationale Handel wieder in gang.
Der Augenblick für eine solche Umorganisation ist denkbar günstig. Von den Finanzministern wäre die ungewisse Zukunft genommen, sie könnten für 2009 und 2010 mit den gleichen Einnahmen wie z.B. denen von 2007 oder 2008 rechnen. Die Notenbanken würden sich über einen erheblichen Kompetenz- und Bedeutungszuwachs freuen. Ihr heute eher bescheidenes Mandat, den Geldwert stabil zu halten, wäre ersetzt durch das, die Geldschöpfung optimal an die realwirtschaftliche Entwicklung anzupassen. Auch das Problem der staatlichen Verschuldungen könnte endlich angegriffen werden. Die Notenbanken könnten staatliche Schuldverschreibungen in Zeiten hoher Steuereinnahmen langsam, um die Kurse tief zu halten, aufkaufen und vernichten, denn realwirtschaftlich gesehen unsinnige Verschuldung (auch in der Wirtschaft und im privaten Bereich) bremst die Wirtschaft und spreizt die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft. Die Notenbanken geraten mit dieser Aufgabe möglicherweise in Interessenkonflikt mit den Geschäftsbanken, was sie aber aushalten müssen, wie sie überhaupt ihre Stellung nicht mehr nur als erste Bank unter anderen sehen dürfen.
- Alle Maßnahmen der Notenbanken dürfen sich immer nur an der realwirtschaftlichen Entwicklung ausrichten. Geld hat keinen Selbstzweck, es ist Menschenwerk mit dem einzigen Zweck, die Realwirtschaft zu erhalten.